Gleichungskonstruktor
Gleichungskonstruktor nach Rowning
Diderot und D'Alembert berichten in ihrer L'Encyclopedie im Fachgebiet Algebra von einem Universellen Gleichungskonstrukteur, einem analogen Rechengerät zur Auswertung von Polynomen bis zum dritten Grad. Das Gerät war im Jahre 1768 von dem Briten John Rowning der Londoner Royal Society vorgestellt worden. Die Funktionsweise beruht auf der geometrischen Konstruktion der gesuchten Zahlenwerte. Für eine Gleichung zweiten Grades soll hier diese Konstruktion erläutert werden.
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1 Mathematische Grundlagen
Der Koeffizienten des Polynoms
werden benutzt, um in einem kartesischen Koordinatensysstem die Punkte
,
und
zu definieren. Außerdem benutzt man den Punkt
.
Das Dreieck
ist das Steigungsdreieck der Gerade
. Mit der Steigung
lautet also die Geradengleichung:
Für ein gewähltes
wird der Punkt
definiert, sowie die Punkte
und
.
Das Dreieck
ist das Steigungsdreieck der Geraden
. Mit der Steigung
ergibt sich also die Geradengleichung
.
Damit ist insbesondere der Punkt
definiert, dessen y-Koordinate der gesuchte Wert des Polynoms ist.
2 Bedienung
Die mechanisierte Konstruktion dieser geometrischen Vorgehensweise erfordert demnach die folgende Bedienung: Zunächst wird der Parameter
eingestellt, indem das gesamte Gerät so auf der Unterlage platziert wird, dass Punkt
an der Koordinate
zu liegen kommt. Insbesondere bei der Ablesung des Polynomwertes zum Schluss mittels Visierfaden und Schiebeskala muss dieser verschobene Wert
berücksichtigt werden. Dann wird der Parameter
eingestellt, indem das eine Ende der in der Zeichnung gelb hervorgehobenen Schiene im Abstand
vom Punkt C festgeklemmt wird. Der Parameter
wird nicht im Punkt
sondern im Punkt
, also am anderen Ende der gelben Schiene durch Festklemmen eingestellt. Für die Auswertung des Polynoms wird dann mit dem blau hervorgehobenen Rahmen die gewünschte x-Koordinate eingestellt. Die verkantungsfreie Parallelbewegung wird durch zwei kleinere auf einer gemeinsamen Achse sitzende Zahnräder sichergestellt. An diesem blauen Rahmen befestigt befinden sich an der eingestellten x-Position zwei Schienen, die sich längs - also in y-Richtung - verschieben lassen. Eine Zapfen auf dieser längsverschiebbaren Schiene greift in die festgeklemmte gelbe Schiene und lässt also mit einer Bewegung in x-Richtung des blauen Rahmens die blaue Schiene samt Zapfen gleichzeitig in y-Richtung der gelben Gerade folgen. Ein Fortsatz desselben Zapfens nach oben greift in die Schiene eines H-förmigen Bauteils, das sich parallel in y-Richtung verschieben lässt. Auch hier ist die verkantungsfreie Parallelbewegung durch zwei größere, auf einer gemeinsamen Achse sitzende Zahnräder sichergestellt. Die grüne Gleitschiene korrespondiert mit der Geraden
der Skizze. Im Punkt
Auf dieser grünen Schiene ist drehbar und verschiebbar das eine Ende einer weiteren roten Gleitschiene befestigt. Das andere Ende der roten Gleitschine ist drehbar im Punkt
befestigt. Ein Zapfen auf einer weiteren unabhängigen blauen Schiene wird durch die Rote Gleitschiene im Punkt
positioniert. Die y-Koordinate dieses obersten blauen Zapfens wird mit Hilfe eines gespannten Fadens und den Skalen, an dem er befestigt ist, bestimmt.
3 Weitere Informationen
3.1 Artikel
Eine geometrische Wurzelbehandlung Ausführliche Beschreibung der Maschine und ihrer Geschichte
- Diderot 1780a
- Der Gleichungskonstruktor als Flashanimation
3.2 Patente
Stefan Drechsler 16:31, 25. Sep 2005 (IST)
- Patent:ITFI940083 06.11.1995 Conti, Franco und Frediani, Aldo :
Macchina Generatrice di Polinomi
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